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Kindchen, Kindchen – die Knef lebt doch noch!

Veröffentlicht am 17.11.2013 in Ortsverein

Foto: Peter Schmidt

Heissig brillierte beim SPD-Kulturherbst in Lohndorf

Lohndorf. Nebel waberte über die Bühne und SPD-Kulturmacher Toni Söhnlein hatte sich in feinsten Zwirn geschmissen, um mit rund 200 Besuchern die Auferstehung der „Grande Dame“ im Saal der Brauerei Reh in Lohndorf zu feiern. „Die Knef“ - elf Jahre nach ihrem Tod wieder im Scheinwerferlicht? Fast schien es so. Aber nur fast. Statt der berühmten Hildegard trat ihre immer zu kurz gekommene Zwillingsschwester Irmgard im Kulturherbst der Ellertaler SPD auf. „Die Knef“ hatte eine Schwester? Na ja, nicht wirklich. Aber Irmgard, diese von Ulrich Michael Heissig geschaffene und perfekt gespielte Kunstfigur hätte alles Zeug für eine Zwillingsschwester gehabt. Um es mal der Knef in den Mund zu legen: „Kindchen, Kindchen – das war eine kabarettistische Revue der Extraklasse...“

Perfekte Illusion

Heissig gelang an diesem Abend die perfekte, weil doppelte Illusion - die Verwandlung vom Mann zur Frau und dann zur fast glaubhaften, realen Zwillingsschwester Irmgard. Etwas wackelig auf den Beinen und mit rauchiger Stimme, die – Knef-typisch – oft ganze Sätze verschluckte, sang und plauderte Irmgard böse und mit feinem Wortwitz aus dem Nähkästchen eines „schwierigen Schwesternverhältnisses“.

So platzen die Träume von einer gemeinsamen Karriere mit Hildegard schon kurz nach dem Krieg, weil die Kessler-Zwillinge ihnen zuvor kommen. Mit den Worten „Lass es – ich mache jetzt eine Solokarriere“ serviert die Schwester, die zum „Weltstar in Deutschland“ wird, die arme Irmgard ab.Von nun an geht’s bergab. Während Hildegard vor „vollen Häusern sang, sang ich voll vor Häusern“, erinnert sich Irmgard an ihre nicht enden wollende Durststrecke.

Parallelen

Dabei hat das Leben der beiden Schwestern durchaus Parallelen, nur das Irmgards Parallele immer deutlich unter der ihrer Schwester liegt. Während Hildegard ihren nackten Busen in „Die Sünderin“ blitzen lässt, gibt Irmgard die Sünderin mit einem Nachbar im Treppenhaus. Während Hildegard Anfang der 70er Jahre mit Willy Brandt sympathisiert, sympathisiert sie mit dem „Kaufhaus-Brand“. Während Hildegard sich den Adeligen Paul von Schell krallt, treibt sie es mit ihrem Paul, dem Paul von der Shell-Tankstelle. Während Hildegard die Bestsellerlisten mit „Der geschenkte Gaul“ stürmt, heißt ihr autobiographisches Buch „Der gebuchte Hengst“.

„Im Schatten der berühmten Schwester kann man nicht trocken bleiben“, erkennt Irmgard . Sie flüchtet sich in eine „Wodka-Diät“ und strandet liebeshungrig am Abend vor ihrem Auftritt nach dem Besuch der hiesigen Brauereien in der Pödeldorfer Rockkneipe „PJ“. Prompt verliebt sie sich in den jungen FAN, den Stammgast Franz aus Naisa, wie ihr die „diensthabende Tresenkraft“ verrät. Endlich hätte sie mal was ihrer berühmten Schwester voraus. Doch die Liebe bleibt unerwidert, auch wenn sie den FAN, den Franz aus Naisa, mit einem Lied am Abend danach anschmachtet. Bleibt ihr nur die bittere Erkenntnis: „Wenn ich was Frisches, Knackiges brauche, dann esse ich besser einen Salat!“

Drei Zugaben

„Der Lack ist ab, doch das Leben geht weiter“, tröstet sich singend die ewige Zweite. Und fügt altersweise hinzu: „Auch aus jedem Playboyhäschen wird mal ein alter Hase“. Vor Katastrophen hat sie keine Angst mehr, sie hat genug erlebt. „Und wenn wirklich mal die Vogelgrippe ausbrechen sollte, hoffentlich erwischt es dann die Kastelruther Spatzen!“

Zum Schluss versetzte Knef II. den altehrwürdigen Reh-Saal in Techno-Fieber, weil sie einen Blick ins Jahr 2070 wagte und dort die Loveparade im Altersheim mit einer Polonäse anführt. Erst nach drei Zugaben ließen die Zuschauer die alte Dame – war es wirklich Irmgard? Oder Hildegard? Oder etwa doch Heissig? - von der Bühne. Franz-Josef Schick, Ellertaler SPD-Chef: „Das war ungewöhnlich freizügig und frivol für das kulturelle Klima in Litzendorf!“
Thomas Pregl

 

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